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Zahlt Wohngebäudeversicherung, wenn Baum erst Tage nach dem Sturm umstürzt?

Immer
wieder verursachen Stürme massive Schäden an Häusern: gut, wenn man eine
Wohngebäudeversicherung hat. Doch muss der Versicherer auch einen
vermeintlichen Sturmschaden zahlen, wenn ein Baum erst Tage nach einem Unwetter
auf das Haus stürzt? Mit dieser Frage musste sich das Oberlandesgericht Hamm
auseinandersetzen (6 U 191/15).

Im
verhandelten Rechtsstreit ist ein Baum erst sechs Tage auf das versicherte
Gebäude gefallen, nachdem ein Sturm von mindestens Windstärke acht in der
Region tobte: Diese Windstärke ist Voraussetzung, damit der
Wohngebäudeversicherer Sturmschäden ersetzen muss. Aber der Versicherer wollte
nicht zahlen. Er berief sich darauf, dass der Baum ja erst mit einer Frist von
sechs Tagen auf das Haus gestürzt sei, also der Sturm nicht unmittelbare
Ursache gewesen sein könne.

Das aber
wollte der Hausbesitzer nicht auf sich sitzen lassen – und klagte vor Gericht.
Mit Erfolg, denn das Oberlandesgericht Hamm bestätigte ein Urteil der
Vorinstanz im Sinne des Verbrauchers. Demnach hatte auch ein
Sachverständigengutachten bestätigt, dass der Sturm Ursache für den Umsturz des
Baumes gewesen sei, so bestätigten die Richter. Während des Sturms sei der Baum
entwurzelt wurden – was später zum Umfallen des Baumes geführt habe. Die
Gebäudeversicherung muss also für den entstandenen Schaden aufkommen. Über das
Urteil berichtet aktuell die Webseite haufe.de.

Feinheiten
des Vertrages

Das Urteil
zeigt aber auch, dass Wohngebäudeversicherung nicht gleich
Wohngebäudeversicherung ist und auf Vertragsdetails geachtet werden muss. So
habe sich aus dem durchschnittlichen Wortlaut des Vertrages nicht ergeben,
betonte das Gericht, dass nur solche Schäden versichert seien, die durch
unmittelbar während des Sturmes herumwirbelnde Teile verursacht würden. Hier
hätte als zusätzliche Einschränkung im Vertrag der Begriff „unmittelbare
Einwirkung“ explizit erwähnt werden müssen, damit der Versicherer eine Zahlung
verweigern kann. Ausschlaggebend hierfür sei das „Verständnis eines
durchschnittlichen Versicherungsnehmers“.

Indirekt
bestätigten die Richter somit, dass Versicherungen ihre Klauseln ausreichend
genau und deutlich definieren müssen. Dennoch: Es kann nicht schaden, wenn sich
Verbraucher zusätzlich von einem Versicherungsexperten beraten lassen. Sie
kennen die Feinheiten solcher Verträge – und haften in der Regel auch dafür,
dass sie im Beratungsgespräch die wichtigsten Punkte ansprechen. 

Laut OLG
Hamm sei es auch im verhandelten Streit nicht entscheidend gewesen, dass der
Baum unmittelbar durch den Sturm beschädigt worden sei. Sondern, dass es sich
um den „Sturm als maßgebliche Ursache“ des Schadens handle. Das heißt, es muss
ein nachweisbarer Kausalzusammenhang zwischen dem Sturm und der Beschädigung
des Gebäudes bestehen, ohne dass eine andere Ursache dazwischen getreten ist.
Um solche Streite durchzufechten, kann sich zusätzlich der Abschluss einer
Rechtsschutzversicherung lohnen.

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